„Projekt Brandrede“

Die erfolgreich abgewendeten Kürzungen im Literaturhaushalt


UPDATE: Unsere Proteste waren erfolgreich. Auf den Sitzungen des Kulturausschusses vom 21.10. und 18.11.2021 wurde mit einer Stimme Enthaltung der Antrag der Fraktion Die Heidelberger beschlossen, die Rücknahme der Kürzungen im Literaturhaushalt und eine Finanzierung aus anderen Bereichen zu empfehlen – die Rhein-Neckar-Zeitung (23./24.10. und das Update vom 19.11.) und Mannheimer Morgen berichteten. Wir bedanken uns ganz, ganz herzlich bei allen Brandrednern und Brandrednerinnen für ihre wertvollen Beiträge und bei allen, die unseren Protest anderweitig unterstützt haben.

Und hier noch ein interessanter Artikel von Ingeborg von Zadow, einer unserer zwei Sprecher·innen, zur Zukunft der Literaturstadt Heidelberg.

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Hier dokumentieren wir die Protestnote der Heidelberger Autor:innen:

Liebe Literaturinteressierte, liebe Literaturschaffende,

wir, die Heidelberger Autor:innen, haben mit einer Protestnote auf die für den Literaturhaushalt 2021/2022 beschlossenen Kürzungen reagiert. Wir befürchten nachteilige Auswirkungen auf die Vielfalt des hiesigen literarischen Lebens und in der Konsequenz womöglich sogar den Verlust des Status der UNESCO City of Literature, der Heidelberg als bislang einziger (!) deutscher Stadt verliehen wurde.

(Photo by Nong Vang on Unsplash)


Darüber hinaus möchten wir den aktuellen Anlass nutzen, um auch einmal Sie, die Kreativen und das Publikum, zu Wort kommen zu lassen. In den Kommentaren unter dieser Seite haben Sie Gelegenheit dazu (bitte auf dieser Seite nach unten scrollen). Verfassen Sie Ihre eigene Brandrede, verteidigen Sie die Literatur in Heidelberg:

  • Inwiefern hat die UNESCO City of Literature in den letzten Jahren Ihr Leben bereichert?
  • Warum ist sie aus Ihrer Sicht absolut förderungswürdig und der Erhalt des Status so wichtig?
  • Welche Anregungen, Ideen oder Wünsche haben Sie für die Literaturstadt der Zukunft?
  • Wie könnte eine Stadt, die Teil des Netzwerks der UNESCO Creative Cities ist, noch aussehen?

    Wir laden Sie ein, Ihre Stimme zu erheben und mit uns laut zu werden – gegen ein Verarmen des literarischen Lebens in unserer Stadt und für kreative Vielfalt.

Bitte beachten Sie:
Wir bitten Sie ferner, die Netiquette zu beherzigen, und behalten uns vor, Kommentare zu löschen, die das nicht tun oder am Thema vorbeigehen. Versehen Sie gern Ihren Kommentar mit Ihrem Namen und Wohnort. Mit Abschicken Ihres Kommentars stimmen Sie seiner Veröffentlichung zu. Sollten Sie Probleme beim Hochladen haben, wenden Sie sich bitte an info@barbara-imgrund.de.
Vielen Dank!

Barbara Imgrund
zusammen mit Ingeborg von Zadow und belmonte

31 Gedanken zu „„Projekt Brandrede““

  1. Als ich im vergangenen Jahrtausend zum ersten Mal nach Heidelberg kam, hat mich diese Stadt ohne Umschweife mit ihrem kulturellen Reichtum bestochen. Nicht, weil sie mich am Bahnhof mit wehenden Fahnen bereits als Literaturstadt begrüßt hätte. Auch ohne solche Wegweiser war mir die wortreiche Geschichte spürbar, an die sich Heidelberg lehnt. Und eine überaus lebendige Gegenwart: Theater, wo das gesprochene Wort gefeiert wird, Buchhandlungen und Antiquariate, in denen das geschriebene Wort hochgehalten wird. Ich hatte schon am ersten Tag den Eindruck gewonnen, dass dies eine Umgebung wäre, in der es sich gut leben ließe.

    Jahre später habe ich diese Idee wirklich werden lassen und inzwischen lebe ich seit beinahe 20 Jahren hier und lehne mich immer wieder froh an den noch tagwarmen Sandstein. Ich darf erleben, wie sich Heidelberg seit 2014 offiziell zur Literaturstadt am Puls der Zeit mausert und bin stolz ein Teil davon zu sein. Nun geht es ja darum, wie wir sowohl dem Erbe dieser Tradition, als auch ihrer lebendigen Weiterentwicklung, gerecht werden. Das Aufwiegen der Sprachkunst gegen Regenbögen und rote Rosen wird es nicht.

    Vor Heidelberg hatte ich immer in Großstädten gelebt. Ich kenne dieses zufriedene Anlehnen an die eigene Geschichte. Aber auch das Verwöhntsein von der Selbstverständlichkeit, mit der das kulturelle Leben einer Weltstadt gefördert wird. Heidelberg trägt seine Größe innen. Aber das ist kein Grund zu versuchen die Literatur gegen andere Künste, gegen soziale Belange, gegen das Sichtbarmachen von L(i)ebensweisen auszuspielen, wie um zu beweisen, dass nichts selbstverständlich ist. Es stimmt schon, soziale Gerechtigkeit ist es nicht, und die Akzeptanz von Andersartigkeit ist es nicht, und die Kunstförderung insgesamt ist es nicht, und an alledem gilt es zu arbeiten. Doch die Sprachkultur steht dem nicht entgegen. Ganz im Gegenteil, denn alles ist nichts ohne sie.

    Es ist eben beides: ein Klischee und eine Wahrheit, wie sehr in Heidelberg alles auf Poesie in ihrem weitesten und besten Sinne gebaut ist. Und damit das Fundament ein tragendes bleibt, brauchen wir eine vernünftige finanzielle Ausstattung. Das ist das Mindeste. Denn Heidelberg sollte sich nicht verstecken müssen, sondern den wohlverdienten UNESCO-Titel mit Würde tragen. Und warum auch nicht mit wehenden Fahnen, um künftig von dieser Stadt Verführte willkommen zu heißen? Und das lauthals und stolz, weil es uns das wert ist.

    Sofie Steinfest aka Sofie Morin, Wilhelmsfeld bei Heidelberg

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  2. Mit Nachdruck protestiere ich gegen die Kürzung des Etats für die Literatur!
    Nach und immer noch während der Zeit massiver Einschränkungen und Verbote für die Ausrichtung, Aufstellung, Ausübung und Teilnahme im Kulturbereich und somit auch im Literaturbetrieb kann und darf es doch nicht sein, dass nun auch noch weniger Geld zur Verfügung stehen soll!
    Durch die besondere und in Deutschland bislang einmalige Auszeichnung Heidelbergs zur Unesco City of Literature sind wunderbare Verbindungen und Möglichkeiten entstanden für gemeinsames literarisches Schaffen, Austausch, Unterstützung, gegenseitige Anerkennung – dieser Titel, diese Position und alle Projekte werden nun aufs Spiel gesetzt, sowie all die gewachsenen und neuen, mit Liebe, Kompetenz, Kreativität und Engagement geplanten und erwarteten Veranstaltungen, und die ein größer werdendes Publikum mit Spannung erwartet.
    Ich habe das Gefühl, dass die Literaturszene zusammenwächst, größer, kreativer wird, aber vor allem erreicht, berührt, bereichert sie Menschen über Grenzen hinaus, und das darf nicht durch wortwörtlich kalte Berechnung kaputt gemacht werden. Schon gar nicht, indem Projekte und Bereiche, die zwar ebenso unterstützenswert sind, gegeneinander ausgespielt werden, bzw. in Konkurrenz zueinander gestellt werden.
    Die Politik darf und soll nicht spalten und entwerten, sondern fördern und zusammenhalten, eine Stadt lebendig und lebenswert machen.
    Auch und gerade dafür steht die Literatur: nämlich für Freiheit, Bildung, Lebendigkeit, Vielfalt und Verbindung!

    Elisabeth Singh-Noack, Dossenheim

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  3. Wie groß sollen die Kürzungen ausfallen? Wenn man das weiß, wird es ein Leichtes sein, darzustellen, dass mit diesen paar Kröten viel zerstört aber nicht mal 1 Meter Straße gebaut werden kann.
    ToiToiToi!
    Habt ihr Marlitt Hoppe-Ritter schon kontaktiert?

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  4. Ach, Ihr Armen

    Wenn Ihr meint,
    das Schloss locke von alleine?
    Dann irrt Ihr euch!

    Wenn Ihr meint
    Ein Schoß tät es ohne Scheine?
    Dann irrt Ihr euch!

    Werft nicht euer Hirn
    In den Kloakensparkanal!
    Füllt eure Schottenstirn
    Mit Geist und Zukunftswahl!

    Geiziger als dumm zu sein
    Fällt einem Schottenrock nicht ein!

    Klaus Kayser, 7.10.2021

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  5. Ich protestiere gegen die geplanten Kürzungen des Etats für Literatur. Ich kann es gar nicht nachvollziehen wer im Gemeinderat auf diese schädliche und entmutigende Idee gekommen ist.
    In der Hoffnung, dass diese Kürzungen nicht vollzogen werden, schließe ich mich den Prosteten mit Nachdruck an.

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  6. Ich hoffe gemeinsam mit meinen Kolleginnen & Kollegen sehr, Heidelberg arbeitet daran, Unesco City of Literature zu bleiben. So viele Menschen haben sich für diesen Titel eingesetzt, der das Image der Stadt weit über ihre Grenzen hinaus poliert. Die Heidelberger Literaturtage sind ein Leuchtturm in der Festivallandschaft.
    Die Unesco City of Literature ist uns Schriftstellerinnen & Schriftstellern, die wir direkt in der Stadt oder in unmittelbarer Nähe zu ihr wohnen und mit unserem Wirken dort angesiedelt sind, eine ideelle Heimat. Schreiben ist einsam – es ist unvergleichlich motivierend, eine kollegiale Stätte zu haben, in der Austausch und gemeinsame Aktivitäten stattfinden.

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  7. Visionen … ade?
    welch Jubel, als Heidelberg im Dezember 2014 als einzige deutsche Stadt in die Welt-Riege der UNESCO Cities of Literature aufgenommen wurde. Jahrelang hatte ein kompetentes Team (ehrenamtlich, vesteht sich) Argumente, Fakten, Kreatives zusammengetragen, gesammelt, formuliert – und überzeugt. Visionen hatte die Literaturstadt Heidelberg: Residence-Unterkünfte für Literaten! Ein Literaturhaus! Oder würde sich Alt Heidelberg die Feine gar zum Zufluchtsort für Schriftstellerinnen und Schriftsteller mausern und seinen Beitritt in das internationale Netzwerk ICORN erklären? https://www.icorn.org/
    Literatur als Wirtschaftsfaktor – warum eigentlich nicht? Wenn Innovation und Literatur sich die Hände reichten? Wenn schon am Stadteingang oder Bahnhof Heidelberg seine Besucher als Literaturstadt grüßte?
    Stattdessen: Kürzungen, Streichungen, Einsparungen. Schulterzucken – wenn der erworbene Status der UNESCO City flöten geht?
    Wir Literaten und Literatinnen protestieren gegen die Einsparungen und bitten, die Kürzungen zurückzunehmen! Make Literature great again!

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  8. „Ich bin sprachlos“ – so kann man in einem der letzten Einträge auf dieser Seite lesen, und so hört man es seit Wochen in Gesprächen mit Heidelberger Literaten.

    Kulturschaffende, die „sprachlos“ sind, Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die das Wort „unsäglich“ in den Mund nehmen, gerade jene Menschen, die uns in so vielen wichtigen Phasen unseres Lebens mit ihren Worten berauschen, trösten, aufmuntern, anstacheln, beruhigen, nachdenklich machen. Deren Worte uns in den Arm nehmen.
    Was hätten viele Menschen nur ohne eine gute Lektüre, einen aufheiternden Blog, ein ermutigendes Gedicht in der Pandemie-Zeit getan?
    Die politisch Verantwortlichen hatten dafür viele gute Worte parat: Erst in dieser schweren gesellschaftlichen Krise wisse man, was einem fehle, wenn Kulturveranstaltungen ausfielen, Lesungen abgesagt würden.
    Ja – stimmt.
    Am Ende der Hoch-Coronazeit dann vollmundige Versprechungen: Man wolle die Kulturschaffenden wieder auf die Beine bringen, einen schnellen Wiedereinstieg ermöglichen, Gelder sollten unbürokratischer fließen.
    Ja – sehr schön.
    Im Herbst 2020 las ich ein Interview mit einem Komponisten, und einer seiner Sätze hat mich über die vielen Monate ohne kulturelle Präsenzveranstaltungen, in denen stets diese scheußliche Frage nach der „Systemrelevanz“ auftauchte, stets begleitet. Er sagte: „Wir Kulturschaffenden sind nicht systemrelevant, wir sind lebensrelevant.
    Ja – lebensrelevant.

    Und jetzt dieser Schritt, der sprachlos macht.

    City of Literature, City of Words, City of Life!

    Ilka Schlüchtermann, Neckargemünd

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    1. Ach, wie schön: „Deren Worte uns in den Arm nehmen“. Oh ja, das sollen sie und werden sie, entgegen aller Verbote und Einsparungen an und von falscher Stelle . Denn von Falschheit zeugen die Versprechungen, Behauptungungen, Beschneidungen der politisch Verantwortlichen. So wahr: Kultur, Kreativität, Kunst, Literatur, Musik…ist tatsächlich LEBENSRELEVANT !

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  9. Kommentar von Matthias Delbrück via Webmaster:

    Kommunalpolitik ist nicht einfach, einen verantwortlichen Kommunalhaushalt aufzustellen zurzeit noch viel weniger. Das weiß ich aus eigener Erfahrung hier in Dossenheim. Da kann es mal passieren, dass eine Gruppe sich einen Einzelposten herausnimmt, mit dem sie wenig anfangen kann. Und dann eine in absoluten Zahlen nicht bedeutende, aber für den Einzelposten verheerende Kürzung beschließt, einfach um mal wenigstens etwas gekürzt zu haben. Und dass so etwas dann den anderen Gruppen durchrutscht, weil die Sitzung lang ist und der allseitige Druck unsachlich groß.

    Was nicht sein kann: dass so ein Einzelposten die Literaturförderung der einzigen UNESCO-Literaturstadt in Deutschland ist und dass das alles keinem auffällt, bevor der Haushalt beschlossen und diese Literaturstadt in den Brunnen gefallen ist. Da aber genau dies passiert ist, brauchen wir jetzt politische Kreativität, um die poetische Kreativität der Literaturstadt zu erhalten! Retten wir gemeinsam die Literaturtage, den Literaturherbst und vor allem die Förderung unseres kreativ-schreibenden und die Stadt be-geisternden Ökopoesiesystems!

    Heidelberg hat als Literaturstadt faszinierende Möglichkeiten, aber und eben auch eine reale Verantwortung bekommen. Wir Autor•innen aus Stadt und Umland möchten und werden uns für die Literatur der Literaturstadt intensiv einsetzen. Die Stadt muss den Rahmen setzen und sichern – auch und gerade in der Krise.

    Ich selbst bin vor 35 Jahren nach Heidelberg gekommen, lebe seit 25 Jahren in Dossenheim. Die Arbeit am Text vor allem für Verlage der Region ist mein Brot, kreatives Schreiben im Austausch mit dem Autor•innen-Netz ist meine Feigen und mein Wein. Ohne dieses Netz und diese Stadt würde dies und so vieles andere fehlen. Lang leben Schreiben und Lesen in und um Heidelberg!

    Matthias Delbrück, Dossenheim

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  10. Selten hat mich eine Nachricht so überrascht und verärgert zugleich. Kürzungen im Bereich der Literatur gerade in der City of literature? Die einzige deutsche Stadt, die mit stolz diesen Titel trägt? Welche Personen sind das, die so blasiert und ignorant sind, dass sie mit vollem Ernst eine Kürzung im Kulturetat und dazu noch genau in dieser Sparte fordern? Diese Maßnahme ist an Sinnlosigkeit kaum zu überbieten. Man müsste damit forciert an die Presse herantreten! Heidelberg, die gesamte Literaturlandschaft im Rhein-Neckar-Raum zählt auf Dich und nicht nur dort, denn es gibt nur eine City of literature in Deutschland. Die Autorinnen und Autoren der Region werden das nicht hinnehmen. Wir haben zusammen mit der Stadt und vielen kooperierenden Institutionen für den Titel gekämpft und dafür Zeit, Hirn und Liebe investiert. Meine Forderung: Nehmt die Kürzungen zurück!

    Anette Butzmann, Vorsitzende der LitOff-Heidelberg, Autorin, Buchhändlerin und Hörspielerin

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  11. So viel Engagement von so vielen Menschen in den letzten Jahren für die City of Literature Heidelberg! Eine Kürzung des Etats für Literatur gefährdet nicht nur den Titel, sie enttäuscht auch und demotiviert. Ist das wirklich vom Gemeinderat so gewollt?
    Marlene Bach, Autorin, Heidelberg

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  12. Kommentar von Astrid Arndt via Webmaster:

    Die HEIDELBERGER LITERATURTAGE werden es schon überstehen, wird man sagen.
    Sicher. Aber mit schmerzlichem Qualitätsverlust. Und die anderen?
    Soll sich der HEIDELBERGER LITERATURHERBST mehr Sponsoren suchen, wird man sagen.
    Nicht ganz so sicher. Denn wie bitte soll das gehen, wenn der Anreiz für Sponsoren mit Heidelbergs Status als UNESCO City of Literature unterzugehen droht? Aber doch, sie werden es vielleicht überstehen – weil das Publikum seine Autoren inzwischen liebt. Und sie nicht im Stich lässt. Selbst wenn die Autoren ihre Gedichte nur noch neben die Kaffee-Tasse stellen dürfen und das Trinkgeld die Gage ist.
    Aber was ist mit den vielen weiteren Aktionen der Literaturstadt Heidelberg? Werden sie es überstehen? Man erinnere sich nur an das Projekt POESIE UNTERWEGS – Gedichte, die in Straßenbahnen zu lesen sind – von dem Postangestellten, der weiß, wann das Heidelberger Schloss passend zum Vers hinter den Scheiben auftaucht, bis hin zur Ladenverkäuferin, die sich immer unter ihr Lieblingsgedicht setzt. Wenn dann auch noch ein historischer Salonwagen seine Runde bis hin zur UNESCO-City-Kollegin nach Mannheim dreht, wird die Bedeutung der alten Kurpfalz als einer der künstlerisch fruchtbarsten Regionen Deutschlands in einer umfassenden/-fahrenden Geste der Freundschaft spürbar. Soll dabei dann die City of Literature Heidelberg wirklich nur noch als die magere Schwester einer florierenden City of Music Mannheim auftreten können? Besser nicht.
    Oder man denke an das gemeinsame LITERATUR-SCHULPROJEKT der UNESCO Creative City mit dem Amt für Schule und Bildung. Als Autoren Heidelbergs bei Kreativ-Schreiben-Workshops Schüler aus verschiedensten Kulturen anregten, sich im literarischen Austausch näher zu kommen. Sollte man da, anstatt die Förderung Heidelbergs als City of Literature gegen ihre Förderung als Rainbow City aus-zuspielen, nicht besser die Fähigkeiten beider zusammen nutzen? Um im fantasievollen Verarbeiten von Vielfältigkeit eine Generation heranzuziehen, die in der Lage ist, kreative Lösungen für das gesellschaftliche Miteinander zu finden? Besser wäre es.
    Denn ohne das – so viel ist auch sicher – werden wir es alle nicht überstehen.

    Astrid Arndt, Heidelberg und Mannheim

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  13. Die Corona-Krise ist/war für die Kommunen teuer, das will ich nicht leugnen. Aber bitte kürzen Sie nicht einseitig den Etat für die Literaturförderung!
    Nach Lockdown und Pandemie sind wir alle ausgehungert nach jeglicher Form von Kulturveranstaltungen, dortige Kürzungen wären insofern ein Eigentor.

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  14. Kommentar von O. Netivi via Webmaster:

    Bücher auf Reisen

    Meine Großeltern hatten
    einen Laden voller Bücher.
    Sie wurden verbrannt.
    Nicht nur die Bücher.

    Meine Eltern retteten sich
    in ein kärgliches Land
    mit zwei winzigen Koffern.
    Darin fast nur Bücher.

    Ich kam stellvertretend zurück
    mit einem alten Rucksack.
    Nun lebe ich am Neckar
    und schreibe Bücher.

    O. Netivi

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  15. Wir, die wir das Literaturherbst Heidelberg-Festival initiieren, konzipieren und organisieren bzw. uns – auch über die Festivaltage hinaus – für eine lebendige Literaturstadt einsetzen, wenden uns entschieden gegen die Kürzungen des Literaturetats.

    Dass ausgerechnet in der deutschlandweit einzigen UNESCO City of Literature durch den Heidelberger Gemeinderat der Rotstift angesetzt und 60.000 EUR einer ohnedies recht straff bemessenen Literaturförderung gestrichen werden, ist nicht nur ein fataler Einschnitt in das städtische Kultur(er)leben, es ist zugleich ein gänzlich falsches Signal sowohl hinsichtlich der Außenwirkung unserer Literaturstadt als auch für etliche Autoren, Verlage, Buchhandlungen und engagierte, mitunter ehrenamtliche Akteure: Sie sind es, die unsere Literaturstadt und das Kultur(er)leben mit innovativen Ideen aktiv (mit)gestalten und bereichern! Sie tragen – auch im Schulterschluss mit dem Kulturamt, das sich unermüdlich für unsere Literaturstadt einsetzt – vielfach dazu bei, dass Heidelberg den erworbenen Titel als UNESCO- Literaturstadt Heidelberg mit Leben füllt und bewahrt.

    Zugleich ist es ein gesellschafts- wie kulturpolitisch fragwürdiger und einmaliger Schritt, die Kürzung des Literaturetats zugunsten der Rainbow City Heidelberg vorzunehmen: Beide Titel sind für unsere Stadt gleichermaßen kostbar, beide – sowohl Literaturstadt als auch Rainbow City – sollten nicht finanziell gegeneinander ausgespielt, sondern gleichermaßen gefördert und ein beidseitiger Austausch unterstütz werden: Dass ein solcher Austausch sowohl kulturell als auch gesellschaftlich überaus gewinnbringend ist, zeigte zweifellos unser diesjähriger Festivalthemenschwerpunkt „Vielfalt Liebe. Vielfalt Literatur“!

    Als Literaturfestival, das vorwiegend ehrenamtlich und mit großem Kraftaufwand konzipiert und organisiert wird und das überdies dringend (!!) einer umfassenderen Förderung bedarf, empfinden wir auch seitens des Literaturherbstes die Kürzung der Literaturförderung als einen niederschmetternden Schritt, der die Frage aufwirft, welche Wertigkeit unermüdlichem Engagement und einem innovativen, sehr erfolgreichen Festivalkonzept zugemessen wird. Sowohl die Heidelberger Literaturtage als auch der Literaturherbst – zwei Festivals, die sich im Umfang der Konzeption und Organisation mehr und mehr gleichen – dürfen und können nicht finanziell beschnitten werden! Im Gegenteil: Sie brauchen – ganz im Zeichen einer lebendigen und innovativen Literaturstadt – einer umfassenderen Förderung.

    Unser altes wie neues Literaturherbst-Team hat über die Dauer von sieben Festivals nicht nur die Freude an Literatur (auch im Verbund mit den Nachbarkünsten) geleitet, sondern eine Überzeugung, die den nun vorgenommenen Etatkürzungen diametral gegenübersteht: Wenn wir aufhören, uns für die Literatur einzusetzen, hören wir auf, für eine bessere Gesellschaft zu kämpfen. Ohne Literatur keine Bildung, ohne Bildung kein gesellschaftliches (Zusammen)Wachsen!

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  16. Kommentar von Marion Gottlob via Webmaster:

    Heidelberger Literaturherbst – gut, dass es ihn gibt!

    Literatur in Heidelberg? Das ist sehr vielfältig – es gibt Hunderte von Autorinnen und Autoren, die ihre Texte per Hand, Schreibmaschine oder Computer aufschreiben. Doch meistens werden sie nie gehört. So möchte ich mich in Bezug auf die Kürzungen exemplarisch zum Heidelberger Literaturherbst äußern.

    Der Heidelberger Literatur-Herbst ist eine wundervolle Chance und Freude für alle, die sich daran beteiligen. Wo gibt es so ein Literatur-Festival? Da muss man lange suchen – und Menschen aus anderen Regionen bewundern und beneiden Heidelberg darum.
    Der Event bietet anerkannten Autoren, aber auch unbekannten Schreibern die Chance, ihre Texte der Öffentlichkeit zu präsentieren. Dabei geht es oft um Texte, die aus dem Alltag heraus entstehen. Egal, ob Liebesgeschichten, Fantasy oder andere literarische Texte.

    Nicht nur das. Der Literatur-Herbst bringt die unterschiedlichsten Menschen und Einrichtungen zusammen. Auch das ist etwas Besonderes: Die Autorinnen und Autoren suchen auf eigene Faust eine Location für ihre Lesung – und zu dieser Gelegenheit öffnen sich ungewöhnliche Orte: Es gibt Straßen-Lesungen, Lesungen in Cafes, Lesungen in Räumen der Kirchengemeinden und vieles mehr. Das macht einfach allen Beteiligten Spaß. Von dieser Art von Spaß und Eigenbeteiligung kann es eigentlich in einer Stadt nicht genug geben.
    Allerdings – dieses Engagement braucht die Unterstützung der Stadt.

    Der Literatur-Herbst ist auch ein Mehrgenerationen-Projekt: Im Schreiben und im Zuhören finden Menschen jeden Alters zusammen – und sie erfahren Neues aus der Welt des anderen.
    Dabei spielt die Vielfalt eine große Rolle: Das bedeutet, dass Menschen aus den unterschiedlichsten Schichten, mit den unterschiedlichsten Biographien und Wertvorstellungen sich treffen und ins Gespräch kommen. Es ist gerade bedeutsam, dass dieses Festival nicht auf eine Interessens-Gruppe verengt ist – die Vielfalt hat hier Platz.

    Natürlich ist es auch so: Die Veranstaltungen sind oft klein. Aber warum muss es immer ein Massen-Event sein? Es wäre doch schade, wenn bedingt durch die Kürzungen der Literatur-Herbst leiden oder ganz eingestellt würde und Menschen nicht mehr die Möglichkeit hätten, sich mindestens einmal im Jahr im wahrsten Sinne des Wortes „zu Wort zu melden“! Denn es sind ungewöhnliche Wortmeldungen – oft von Menschen, die sonst nie gehört würden.

    Marion Gottlob, Teilnehmerin des HD-Textsalons

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  17. „Quel dommage que la ville de Heidelberg veuille faire des coupes dans le budget littéraire ! Je suis avec vous de tout cœur dans votre combat. Je n’ai pas oublié la chaleur de l’accueil que j’ai reçu, chaque fois que je suis venue à Heidelberg, pour rencontrer un public passionné de littérature.“

    … schrieb uns, sehr bestürzt, am 23. September aus Paris die Schriftstellerin Cécile Oumhani:

    „Wie bedauerlich, dass die Stadt Heidelberg das Budget für die Literatur beschneiden will! Ich bin mit ganzem Herzen bei Euch, die Ihr dagegen zu Felde zieht! Ich habe nicht vergessen, wie warmherzig ich jedes Mal begrüßt wurde, wenn ich wieder nach Heidelberg kam, um dort ein literaturbegeistertes Publikum zu treffen.“

    Cécile Oumhani steht hier stellvertretend für so viele „meiner“ Autoren, die ich seit über 30 Jahren aus dem Französischen des Maghreb ins Deutsche übersetze und die wir Jahr für Jahr nach Heidelberg holen, zu Begegnungen mit einer wahrhaft passionierten Leserschaft: Aus der „Kulturmeile Maghreb in Heidelberg“ (1997) haben sich Kooperationen mit Partnern der marokkanischen UNESCO-Städte Essaouira und Marrakesch entwickelt; aus den Heidelberger Literaturtagen ist der im zweijährigen Rhythmus etablierte „Maghrebtag“ (seinerzeit auf Anregung des algerischen Hilde-Domin-Preisträgers Hamid Skif lanciert) kaum mehr wegzudenken. Und doch scheint eben dieser bei Budget-Kürzungen des Literatur-Etats zuvörderst bedroht: einfach zu teuer, so ein paar Flugtickets von jenseits des Mittelmeeres….

    Ganz zu schweigen von dem schönen Projekt, mit welchem das Kulturamt schon so lange liebäugelt und das wir, neben dem Maghreb, gleichfalls unter unseren Fittichen hätten:

    Neben der bereits etablierten Schriftstellerresidenz für Autoren aus dem Netzwerk der UNESCO-Cities of Literature (im Kommandantenhaus der Feste Dilsberg) ist nämlich eine Residenz für Literaturübersetzer aus den UNESCO-Cities of Literature anvisiert; selbige würden in unserer Obhut einquartiert, in der Villa „S“, unserer kleinen Ziegelhäuser Literaten-Residenz, im poetischen Dunstkreis der Europäischen Fernwanderwege 1 und 8 … Doch auch das kostet ja Geld, und so rückt auch das Projekt der Literaturübersetzer-Residenz in zunehmend weitere Ferne… zumal falls der UNESCO-Titel auf zunehmend wackligeren Füßen steht.

    Dabei hatte es so wunderbar angefangen… hatten wir doch als Heidelberger Filiale der Weltlesebühne e.V. gemeinsam mit der frisch gekürten UNESCO-City of Literature Heidelberg zur Feier des Internationalen Übersetzertages am 30. September 2014 das schöne Projekt „Mit ÜberSETZern ÜBERsetzen“ aus der Taufe gehoben – und waren alljährlich mit einem Übersetzer oder Autor oder übersetzenden Autor einer der UNESCO-Literaturstädte (Krakau, Prag, Edinburgh, Granada) übersetzend über den Neckar geschippert, ohne je Schiffbruch zu erleiden, auch wenn der Motorenlärm der guten alten „Lieselotte“ (Poseidon hab sie selig) mitunter das literarische Treiben arg laut übertönt hatte…

    Lieselotte ist mittlerweile ausrangiert und durch eine weniger charmante, aber geräuschlosere Fähre ersetzt … Mit dem Gemeinderat lässt sich eher nicht so verfahren… Hoffen wir einfach, dass die aktuellen Misstöne rings um die Budget-Debatte vorübergehender Natur sind, die dümpelnde Maschine bald wieder Fahrt aufnimmt und – den richtigen Kurs einschlägt.

    Wäre doch schade, wenn Heidelbergs weltoffenes Image ernsthaft Schaden nähme,
    wahrhaft jammerschade, wenn das Kurpfälzer Kosmopolitentum im Schlagschatten von Corona einer bornierten Krämer-Mentalität wiche —- und schier unvorstellbar, behielte die FAZ, die Heidelbergs Aufnahme in den erlesenen Zirkel der UNESCO-Cities of Literature seinerzeit voll Häme („City of Gedöns“) begrüßte, am Ende doch Recht …

    Regina Keil-Sagawe & Helmuth Sagawe
    (weltlesebühne e.v./ sektion heidelberg// villa s – künstlerresidenz am sitzbuchweg)

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  18. Heidelberg ist die einzige „City of Literature“ in Deutschland. Weder Berlin noch Weimar können sich damit schmücken. Blickt man zurück in die Heidelberger Literaturgeschichte, auf die vergangenen Literaturtage und Literaturherbste und verfolgt man die vielfältigen Aktivitäten in Heidelberg lebender Autoren, dann trägt die Stadt den Titel „City of Literature“ zu Recht.

    Es ist für mich völlig unverständlich, dass die Stadt die Mittel dafür kürzen möchte, anstatt mehr daraus zu machen und für sich damit zu werben.

    Leider ist die Stadt für ihre Besucher außerhalb von Literaturfestivals kaum erkennbar als „City of Literature“. Um die Sichtbarkeit zu erhöhen, schlage ich folgende Maßnahmen vor:

    • Schilder in den Bahnhöfen und an der Autobahn, die Besucher in der „City of Literature“ willkommen heißen.

    • Die Einrichtung eines „Literaturmuseum“ oder eines „Haus der Autor*innen“ in der Altstadt mit einer Dauerausstellung zur Heidelberger Literaturgeschichte, Räumen, die besonderen Heidelberger Autor*innen gewidmet sind, wie z.B. ein „Hilde Domin Zimmer“, sowie ein kleiner Saal, in dem regelmäßige Lesungen heimischer Autoren veranstaltet werden. (siehe z.B. „Dublin Writer’s Museum“)

    • Installation eines virtuellen „Pfad der Dichter“ durch die Heidelberger Altstadt, der an ausgewählten Häusern vorbeiführt, in denen weltbekannte Dichter gelebt und gewirkt haben. Plaketten an den Hauswänden mit einem Verweis die „City of Literature“, auf die Dichter*in(nnen), sowie mit einem QR Code, der zu einer Webseite mit ausführlichen Informationen verweist (siehe z.B. Literatur-Spaziergänge mit Veronika Haas oder Gerhild Michel)

    Möge Heidelberg Stolz zeigen, anstatt sich klein zu machen.

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  19. Die Frage, die sich mir hier stellt, ist nicht die des Warum. Politiker, Abgeordnete und Stadträte sind eben auch nur Menschen, und manchmal entscheiden sie sich für das Falsche. Das passiert auch schon mal dem Souverän, dem Volk. (Siehe erst kürzlich die Wahl Donald Trumps, weiter zurückliegendere Beispiele erspare ich mir an dieser Stelle.) Die Frage, die sich mir hier stellt ist vielmehr jene eines Menschen der, weiß Gott, geglaubt hat, schon genug an Übergriffen der Mächtigen gesehen zu haben: die Willkür des Ceausescu-Regimes sei hier nur am Rande erwähnt.
    Dass man jedoch ohne Not, und im Grunde genommen nur für Peanuts das bereits jahrhundertwährende Image einer Stadt aufs Spiel setzt, bleibt mir unverständlich.
    Ein kennzeichnendes, und bleibendes Beispiel bleibt für mich mein erster Besuch in Heidelberg, als ich Adriana Carcu besuchte und davon nur in Erinnerung behielt, dass ihr Zuhause dem in Temeswar sehr ähnlich sah, dass der Spanier in Rohrbach genauso gut schmeckt wie in München und dass Goethe einst Heidelberg genauso, oder doch ähnlich, wahrgenommen haben muss.
    Zwar habe ich den WaRo-Verlag bereits 2004 in München gegründet, aber als ich 2008 nach Heidelberg kam war mir klar, dass dies der „WaRo-Verlag Heidelberg“ sein musste, ohne großartig darüber nachdenken zu müssen.
    Warum sich dies einem Stadtabgeordneten nicht so selbstverständlich erschließt, ist wohl mein Problem, aber nun lebe ich nun mal in der sogenannten Freiheit und da sollte mir zumindest erlaubt sein, meiner Enttäuschung Ausdruck verleihen zu dürfen, dass eine so naheliegende Erkenntnis nicht (mit Verlaub!) bis ins Hirn eines Stadtrats-Abgeordneten vordringen kann.
    Nicht mehr, aber bitte auch nicht weniger, hätte ich zu den finanziellen Kürzungen des Heidelberger Stadtrates zu sagen.
    Hochachtungsvoll,
    Walter Roth

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  20. „Unesco City of Literature Heidelberg“ – eine enttäuschte Liebe? Erich Frieds Verse aus dem Gedicht „Ohne dich“ (Liebesgedichte 1979) kommen mir in den Sinn:

    „Nicht nichts ohne dich / aber nicht dasselbe / Nicht nichts / ohne dich / aber vielleicht weniger / Nicht nichts / aber weniger / und weniger / Vielleicht nicht nichts / ohne dich / aber nicht mehr viel“

    Die Bewerbung um und die Auszeichnung als „City of Literature“ hat in einer Stadt mit bereits bestehendem lebendigen Kultur- und Literaturbetrieb (u.a. DAI, Stadtbücherei) eine Aufbruchstimmung bewirkt und im Literatur- und Buchbetrieb zu neuen Kooperationen und Begegnungen geführt, die viele nicht mehr missen möchten. Diese Aktivitäten fortzuführen, auch immer wieder zu hinterfragen und anders zu gestalten, sollte unser Ziel sein. Hierzu braucht es neben allem ehrenamtlichen Engagement und deren Wertschätzung auch eine angemessene finanzielle Basis.

    Beruflich und persönlich bedeutet Literaturförderung für mich: Einsatz für das Kulturgut Buch und die Kulturtechnik Lesen. Denn neben der Freude an Literatur werden Bildung, kritisches Bewusstsein, kulturelles Gedächtnis und unabhängiges Denken dringend gebraucht.

    Regina Wehrle (Mattes Verlag / Mitveranstalterin Literaturhebst Heidelberg)

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  21. Heidelberg ist nicht nur wegen der Epoche der Romantik eine Literaturstadt. Das literarische Leben in Heidelberg spielte zwischen 1910-1933 eine wichtige Rolle. Max Weber, Alfred Weber, Karl Jaspers, Anna Seghers, Ernst Bloch, Walter Benjamin, Hannah Arendt, usw. haben in Heidelberg deutliche Spuren hinterlassen, die sich heute noch auf die Weltliteratur Literatur nachhaltig auswirken. Daher ist die deutschsprachige Literatur auch in meinem Herkunftsland Venezuela sowie in Lateinamerika sehr bekannt.

    Deshalb und auch dank ihrer lebendigen Literaturszene und ihrer Heidelberger Literaturtage wurde Heidelberg 2014 eine UNESCO City of Literature. Somit ist Heidelberg die einzige Stadt des ganzen deutschen Sprachraums, die in der Sparte Literatur des weltweiten UNESCO Netzwerks kreativer Städte vertreten ist.

    Die Heidelberger Literaturtage bieten eine Bühne für Autoren und Autorinnen aus dem deutschsprachigen Raum, aber auch aus der ganzen Welt. Seit der Benennung 2014 als UNESCO City of Literature haben Autorinnen und Autoren aus Edinburgh, Krakau, Prag, Granada sowie aus dem Maghreb unsere Stadt mit ihren wunderbaren literarischen Beiträgen bereichert. Damit fördert die UNESCO City of Literature den kulturellen und internationalen Austausch sowie die Erweiterung der Welt und leistet Widerstand gegen antidemokratische Strömungen. All dies ist in unserem 21. Jahrhundert unentbehrlich, wenn wir weiterhin in Demokratie zusammenleben möchten. Nicht nur in Europa, aber gerade in Europa.

    Ohne Literatur keine Aufklärung und bekanntlich ist Aufklärung ein Prozess, den es gilt, immer wieder aufzufrischen. Dafür braucht man Autoren, Autorinnen, Literatur, Verlage, Bücher, Buchhandlungen und Kulturvermittlung.

    Deshalb unterstütze ich den Protest gegen die Kürzungen des Heidelberger Literaturetats und fordere ein verlässliches und ausreichendes Budget für die Literatur.
    Ohne Literatur leidet der Gedanke der Freiheit, der in der deutschsprachigen Literatur im Vordergrund steht.
    Ohne die Literatur leidet die Seele sehr.

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  22. Kommentar von Juliane Sophie Kayser via Webmaster:

    Hiermit möchte ich meinen entschiedenen Protest darlegen gegen die geplanten Kürzungen im Literaturhaushalt unserer schönen Unesco-City-of-Literature Heidelberg, namentlich unseres ehrenwerten Kulturamtes!
    Ich spreche als deutsch-amerikanische Schriftstellerin, als Verlegerin mit deutsch-amerikanischem Verlag mit Sitz in Heidelberg, vor allem aber als Pädagogin.
    Ich bin mit Heidelberg als Unesco City of Literature voll und ganz identifiziert. Unser Kulturamt hat großartige einmalige auch internationale Projekte und Initiativen mit uns Heidelberger Autorinnen und Autoren durchgeführt.
    Ich kannte bisher nur die Frage: Ist das Kunst oder kann das weg? Dass die SPD die Kürzung des Literaturetats um 60.000 Euro beantragt hat und die Grünen das nicht verhindert, sondern gebilligt haben ist ein Skandal.
    VON STAATLICHER SEITE HEISST ES NUN ALSO: DIE KUNST KANN WEG.
    LITERATUR IN HEIDELBERG IST DOCH KEIN BANKSY-OBJEKT, NACH DEM MOTTO: GESCHREDDERT UM SO WERTVOLLER!!!!!!!
    Das letzte Wort hat die Pädagogin in mir. Ich bin ja u.a. für meine florierenden Kurse im Kreativen Schreiben für Kinder und Jugendliche bekannt. Hier hat das Kulturamt als Unesco City of Literature ein sehr verheißungsvolles Pilotprojekt gestartet. 4 von uns durften an einer Regelschule (Tiefburggrundschule) 3 Projekttage eine Schreibwerkstatt mit einer kompletten 4. Klasse durchführen. Während anfangs 7 etwas verhaltensauffällige Jungs maulten: 3 Tage Schreiben, wie öde!, waren es genau diese Kinder die den grössten Spaß entwickelt haben und die tollsten Geschichten erfunden haben. Der grösste Rowdi sagte zum Abschied: Ich hasse das Fach Deutsch und schreibe nicht gerne, aber du hast mich echt inspiriert.
    Das Kulturamt plant eine Fortsetzung dieses Pilotprojekts, um nur ein konkretes Beispiel zu nennen.
    Wenn Sie uns Akteuren der Heidelberger Literaturszene die Gelder kürzen, namentlich unserem hochgeschätzten Kulturamt, dass uns mit Aufträgen und Honoraren versorgt sind letzten Endes auch die Kinder und Jugendlichen die Leidtragenden.
    Ganz zu schweigen von den Erwachsenen.

    Ich habe eine unbändige Wut im Bauch.
    Könnten Sie uns bitte nicht den Ast absägen, auf dem wir sitzen?

    Ich zitiere aus einem eigenen Gedicht meines neuen Lyrikbands LUFTLINIEN:
    TAUSCHE
    DiE AXT GEGEN DAS OHR!
    LAUSCHE:
    VIELLEICHT IST MEIN GEDICHT
    DER AST, AUF DEM DU SITZT?!

    Denn angeschlagen von der Corona-Krise sind wir sowieso schon genügend. Ich denke, das brauche ich nicht zu erläutern. Wir brauchen nun ein mutmachendes Zeichen! Stattdessen entziehen Sie uns die Grundlage unserer zumindest vom Heidelberger Publikum hoch geschätzten literarischen Arbeit.
    Machen Sie das bitte schnellstmöglich wieder rückgängig.
    Sehen Sie von diesen Kürzungen ab unterstützen Sie weiterhin die Literaturszene Heidelbergs, statt sich feindlich gegen uns zu positionieren.

    In einer Stadt wie Heidelberg, in der die Dichtung immer hoch gehalten wurde, stünde es uns allen gut an, an einem Strang zu ziehen. Für die Dichtung für die Literatur und für die Kunst. UND NICHT DAGEGEN!

    Ich hätte gerne mit einem sauberen Zitat geendet, aber ich finde das Zitat und seinen Urheber nicht mehr. Aber sinngemäß sagte ein Dichter/ in :
    IN ZEITEN IN DENEN DIE DICHTUNG ABGESCHAFFT WERDEN SOLL, WIRD DIESE AM DRINGENSTEN BENÖTIGT.

    Juliane Sophie Kayser

    Gefällt 1 Person

  23. Kommentar von Miriam Tag via Webmaster:

    poesie verschwendet sich, lyrik verströmt sich, literatur gibt sich hin.

    was sowieso geschieht, unaufhaltbar.

    und doch stoßen dichterinnenkörper, schriftstellerkörper, übersetzerinnenkörper
    freiere atemzüge aus, wenn durch das gewebe, dessen teil sie sind und aus dem heraus
    sie wirken, auch die semiotisch-materiellen ströme von geld und anerkennung fließen.

    das gefühl, getragen zu sein auf dem zusammenwirken aller dinge, entsteht manchmal ganz leicht. ein blick, ein wort, eine bestimmte mischung aus wärme, feuchtigkeit und druck.

    und manchmal: die entscheidung einer stadt, literatur zu wollen, wirklich zu wollen.

    miriam tag, lyrikerin

    Gefällt 1 Person

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