Nachruf

Trauer um unseren Kollegen Michail Krausnick
* 30. November 1943 in Berlin; † 12. Mai 2019 in Neckargemünd
Wir trauern um unseren Kollegen Michail Krausnick, den Autor mit meisterlichem Sprachhandwerk, dem es gelang, Historisch-Kulturellem mit sprachlichen Mitteln eine Form zu geben. Der zum Botschafter, zum Vermittler wurde, stets mit Empathie, immer reflektierend.
Mit scharfem Blick fokussierte er die Probleme der Welt, eine Welt im Umbruch, für die der Schriftsteller seine Stimme erhob. Michail Krausnick setzte sich ein. Für Verfolgte, für Minderheiten, für Benachteiligte, deren Geschichten er aufschrieb und sie damit vor dem Vergessen bewahrt. Er schrieb gegen Rassismus und Nationalismus, zeigte auf, klagte an. Behutsam und sachlich zumeist und vielleicht gerade deshalb so berührend und nachhaltig.
Dafür wurden seine Werke mit vielen Preisen bedacht: Deutscher Jugendliteraturpreis, Friedenspreis der Friedenstage Kirchheimbolanden, Luise-Zimmermann-Preis, Wilhelm-Zimmermann-Preis.
Die Heidelberger Autorinnen und Autoren ehrten Michail Krausnick 2018 als ersten Preisträger mit dem neugeschaffenen Preis der Heidelberger Autorinnen und Autoren. Wir hätten keinen würdigeren finden können.
Der gebürtige Berliner Krausnick war ein Allround-Talent: Hörspiele, Science-Fiction-Erzählungen, Theaterstücke, Film- und Fernseh-Drehbücher flossen aus seiner Feder. Gedichte auch. Er schrieb Satiren. Arbeitete als Kabarettautor u.a. für das „Kom(m)ödchen“ und für Thomas Freitag. Da ließ er seinem Wortwitz freien Lauf, prangerte an. Er griff in die Wortkiste der altgedienten Dichter, jonglierte mit ihren Wörtern und mischte sie neu auf und spickte seine Worte mit Widerhaken. Er warf sie aus, knapp und knallhart: „Wer den Kopf steckt in den Sand, Wird an seinem Arsch erkannt“.
Michail Krausnick war in „Brennender Sorge“ um unsere Welt. Unsere Umwelt. Um seine Mitmenschen. Weil er immer ein politischer Mensch war. Leise doch beharrlich kämpfte er seinen Kampf, aufrichtig und schnörkellos, doch bei aller Ironie immer hoffnungsorientiert. Weil er diese Welt eben doch liebte.
Auch davon sprechen seine Gedichte. Das letzte, das zutiefst zärtliche für seine Frau, schrieb er als Abschiedsgruß für seine eigene Todesanzeige.
„Lass Deine Augen mir ein Spiegel sein
Und Deine Lippen mir ein Halt.
Mich selbst erkenn‘ ich nur durch Dich allein
Und Deine Liebe gibt mir Halt“
Marion Tauschwitz
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